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Frauenhaus: Ruhe vor dem Sturm?

Beraterteam von der Arbeiterwohlfahrt ist in ständiger Bereitschaft / Zahl der Hilfe-Anrufe der Beratungsstelle ist in der Krise bereits gestiegen

Es geht nicht widersprüchlicher. Während es im Ludwigsluster Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt durchaus noch Kapazitäten gibt und sich die Zahl der hier gemeldeten Notfälle nicht vergrößert hat, ist die Corona-Krise anderswo schon angekommen. Am Telefon der Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt, die für alle offen ist. Die Berater dort hatten in den vergangenen zwei Wochen gut zu tun. Oft genug. weil sich Paare oder Familien zu Hause zunehmend auf die Nerven gingen. Für die Profis von der Arbeiterwohlfahrt ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Welle häuslicher Gewalt auch im Frauenhaus ankommt.

Ein wenig ratlos sind Annette Krille und Femke Schlesok schon in diesen Tagen, wenn es um das Frauenhaus geht Die beiden sozialpädagogischen Mitarbeiterinnen unter den Fittichen der Arbeiterwohlfahrt hatten schon mit einer deutlichen Zunahme von Notfällen für Frauen und Kinder gerechnet. Wegen der Corona-Krisie. Doch das ist in dem Frauenhaus bisher nicht angekommen. „Es ist so, dass es derzeit fast ruhiger als zu normalen Zeiten ist. Vielleicht liegt es daran, dass sich Frauen in diesen Tagen nicht so frei bewegen können. Vielleicht ertragen sie auch angesichts dieser Krise mehr und reißen sich wegen der Kinder noch mehr zusammen als sonst. Wir wissen es schlicht nicht“, grübelt die erfahrene Annette Krille über die Ursachen. „Wir wollen allen Betroffenen sagen, dass wir auch und gerade in Krisen da sind, rund um die Uhr“, ergänzt ihre jüngere Kollegin Femke Schlesok. Für das Ludwigsluster Haus, eines von nur noch neun Frauenhäusem im Land, ist es gerade jetzt schwierig, sichtbar zu bleiben. Flyer und Informationen über das Netz helfen da nur bedingt. Wichtig sei, dass die Frauen im Notfall wüssten, wohin sie sich wenden können.

Denn wenn Betroffene sich an das Frauenhaus wenden, ist die Not akut, dann muss schnell gehandelt werden. Oft genug sind dann auch Kinder mit im SpieL Die Kapazitäten mit fünf Zimmern und zwölf Betten sind für dieses Frauenhaus nicht gerade üppig. Die Zahlen der im Frauenhaus Versorgten schwankt stark. Im vergangenen Jahr waren 23 Frauen und 29 Kinder da, im Jahr 2018 waren es 32 Frauen und 50 Kinder. Es geht längst nicht nur um körperliche, sondern auch um seelische Gewalt – und betroffen sind alle Altersgruppen. Dennoch, viele Frauen sind sehr leidensfähig, gut 60 Prozent gehen vom Frauenhaus wieder zurück, ohne dass die Probleme gelöst sind. Während in der Zufluchtstätte so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm herrscht, sieht es am Beratungstelefon gegen häusliche Gewalt schon anders aus. „Da hatten wir in den vergangenen Wochen sehr viel zu tun“, weiß Femke Schlesok. Zwar sei nicht alles auf die gegenwärtige Krise zurückzufiihren, oft genug gäbe es aber am Telefon Hinweise auf die neue Enge in den Häuslichkeiten und deren Folgen. Schwarz-Weiß gibt es bei häuslicher Gewalt nicht, manchmal sind auch die Mütter junger Frauen die Täter. In der übergroßen Mehrzahl sind es jedoch die Männer, die in Konflikten handgreiflich werden. Wenn diese Gewalt dann auch die Kinder betrifft ist für die meisten Frauen Schluss. Dann steht das Frauenhausteam bereit, immer diskret, nachts und zur Not auch mit Hilfe der Polizei. In der Not reicht da auch eine SMS aus.

Quelle: Schweriner Volkszeitung, Mayk Pohle

Weitere Informationen sowie Telefonnummern zum Frauenhaus Ludwigslust finden Sie hier.


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